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Babelsberger Psychotherapiegespräche

25.02.2012

Babelsberger Psychotherapiegespräche
Dr. Hans Reinhart Kroeber erzählt von
Lou Andreas-Salome

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Warum interessiert man sich für Lou Andreas-Salome?


Für diese Frau, die aus Russland kam mit ihrer Mutter, der finsteren, nachdem sie so merkwürdig auf Vaters Schoss saß, bis Mutter hereinkam, und er sie beinahe ängstlich von sich schob. Der Zärtliche, der sie schlug, wenn er merkte, dass sie ihm Leid vorspielte, um seine Zuwendung zu erhalten.

 

Wir erfahren von ihrem Leben in Europa, wo sie so vielen bedeutsamen Menschen begegnete, Nietzsche, Rilke, Freud.
Nietzsche - viele seiner traurigen Überlegungen sollen ihr gegolten haben.
Rilke, der erheblich Jüngere, dessen Gedichte sie häufig zusammen kürzte. Er nahm es hin, so dass manches seiner Werke vielleicht mehr das Ihrige war.
Freud, der  Abwandlungen seiner Theorien häufig verletzt zurückwies, nicht aber, wenn  Salome sie erdachte.


Salome engagierte sich für die Pflicht zur Lehranalyse. Sie diskutierte die Relevanz des Ödipuskomplexes. Damit befindet sie sich mitten in unseren Phantasien davon. Damit und mit ihrer Faszination, mit der sie bedeutende Männer für sich gewann.

 

Sie warb für die Einmaligkeit der therapeutischen Begegnung - für die einmalige Begegnung mit ihr?


Und wie bei vielen so faszinierenden Frauen sehnte sie sich letztlich nach Gott, beklagte die Ernüchterung durch die Psychoanalyse, und meinte wahrscheinlich die Ambivalenz in Bezug auf den Vater und dahinter den Augen der Mutter, die so wenig für sie glänzten.

 

Bemerkenswert war nach dem Vortrag die Diskussion, eingeläutet durch die Männer, die die Geschichte der Salome als Opfergeschichte der Männer pointierten. Natürlich musste das die Frauen empören, gerade hier in Preußen, erklärte eine Kollegin, wo historische Prominenz gefeiert wird, die das Mätressenwesen pflegte und kultivierte.

 

Wahrscheinlich ist es gerade die Tragik und Faszination solcher Frauen, die uns (va. Männer) anzieht und empört.

Sie begeistern und zerstören und gewinnen das, worum es ihnen unbewusst geht in keinem Fall: die Liebe der Väter und noch weniger die ihrer Mütter