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Babelsberger Psychotherapiegespräche

27.04.2013
Lina Launhard - Dialoge mitdem Ich - Jungs „Das Rote Buch


Frau Launhard, Kulturwissenschaftlerin, erzählte von der spannenden Reise in die Vergangenheit, die uns dadurch vergönnt wurde, dass 2009 Jungs niedergelegte Erfahrungen im Selbstexperiment in Gestalt des „Roten Buches“ veröffentlicht wurden.  


Es ist das erstaunliche Ergebnis dieser Arbeit, in größter Akribie niedergeschrieben und gemalt, Jungs ins sich selbst erfahrene Reise in transkulturelle Sphären, das die Referentin uns da zeigte.


Jung scheint so neugierig und begierig auf der Suche gewesen zu sein. Er muss seinen inneren Bildern mit solch einem Respekt beigewohnt zu habe. Anders ließe sich dieses filigrane Bild seiner Selbstbeobachtungen nicht verstehen.  
Er wunderte sich, so erzählt die Referentin, dass innere Bilder (Gesichte) antworteten,wunderte sich über das Drastische seiner Bilder (gewaltvoll), befürchtete, verrückt zu werden, befragte sich kritisch bezüglich dieser Möglichkeit.

 

Während Kant dualistisch Verstand und Einbildung trennte, sah Jung in der Einbildung etwas Sinnvolles, das Bild einer Realität.


Das Rote Buch sei eigentlich von dem Eingebildeten geschrieben.


Das Buch zeigt die kaligrafierten und verstandenen Fantasien Jungs in dessen Entstehungszeit.

Es zeigt kulturgeschichtliche Szenen und Metaphern.


Es setzt sich mit der Frage auseinander, inwiefern
Fantasie kulturelle, ja selbst personalisierte Erfahrungen zu uns trägt oder nur aktuelle Imagination ist.


Es zeigt, wie viel mehr Jung da für möglich hielt als unser pragmatischer Aktualverstand.

 

Zuweilen suchten wir in den Diskussionen zwischen der hochinteressanten Erläuterung den Menschen Jung. Wie ist er
auf diesen Weg gekommen. Wie lässt er sich anders als in seinen transkulturellen Überlegungen auch biografisch geworden verstehen? Wie hat er gelebt? Wie viel Platz findet
solch ein fleißiges Genie noch für den Dialog mit Freunden,
seiner Familie, seinen Kindern?


So konnten wir nach einem inspirierenden und
nachdenklichen Samstagvormittag zurück ins Private unserer
Familien finden.

 

27.04.2013    JT